Kettenschmiedemuseum Sichtigvor


Schmiedegedicht
DIE DORFSCHMIEDEN

von Franz Wohlmeiner


Es liegt aus Jugendtagen
Ein Hämmern mir im Ohr,
Das war ein rührig Plagen
Im Dörfchen Sichtigvor.

Morgens in früher Stunde
Beginnt ein emsig Tun
Der Schmiedeleute im Bunde,
Wer wollte da noch ruhn.

Als ging es um die Wette
Mit frischem frohen Mut
Geschmiedet wird die Kette
In greller weißer Glut.

Die Jungen wie die Alten
Im starren Lederschurz
Sind jetzt nicht mehr zu halten
Ans Werk, der Tag ist kurz.

Schon sieht man Essen rauchen,
Der Koks wird rangeschafft,
Die Blasebälge fauchen,
Die große Schere klafft.

Der Stahl wird nach dem Biegen
Zum Vorwärmer gebracht,
Damit am End der Riege
Die Glut ihn nutzbar macht.

Nun Zang' um Zange fliegen
Zum Feuer hin und her.
Die schwiel'gen Hände fügen
An Gliedern mehr und mehr.

Den Blasebalg zu rütteln
Mit Fußbrett es begann,
Bis man bei bess'ren Mitteln
Das Hunderad ersann.

Dem Hund und Mensch zum Segen
Schritt Onkel Trost zur Tat.
Es anders zubewegen
Baut er ein Wasserrad.

Die Wasserkraft am Hange
Ward bald herbeigeführt.
Es dauerte nicht lange,
Das Rad sich emsig rührt.

Bald trieb des Baches Segen
Der Räder mehr und mehr;
Die an dem Hang gelegen,
Die schätzten dieses sehr.

Doch mit der Technik Walten
Kam die Elektrokraft.
Man braucht jetzt nur zu schalten,
Der Ventilator schafft.

Die Jahre sind verronnen,
Die Schmieden stehen leer.
Fabriken haben begonnen,
Der Markt verlangt nach mehr.

Das Hämmern ist verklungen,
Es klang so hell und wach;
Die Zeit hat es verschlungen,
Mir hämmert's heimlich nach.